Sonntag, 5. Juli 2015

Hier könnte ... (Ist das Plöhzinn? Wenn ja, dann Nummer fünf. Ist das Écriture automatique en dialogue? Wenn ja, dann)

Hier könnte
ein neuer Wochenrückblick stehen
ein Gedicht
eine Fortsetzung von
nichts
fast alles
du
wir
sie

[bis hierhin ist es ja noch ganz okay]

Hier könnte
wenn wollte
hier wollte
wenn könnte
hier müsste

[hm]

Hier müsste!
Hier müsste!

[hm hm hm hm hm hm hm]

unbedingt

[sie wird doch wohl nicht ...]

un
un
unbedingt
bedingt
dingt
dingt
unbe
unbe
unbedingt

[doch, sie tut‘s!]

müsste hier
?
!

[?]

sehr
so sehr
oh so sehr
oh oh so sehr
so so sehr
sehr sehr
oh oh
so oh
so oh so sehr

[dieses Reinsteigern ...]

Hier könnte
hier könnte
hier könntete
hier hier
hier könntete
hier hier
hier

[dieses dieses R-Reinsteigern ...]

das meiste ist mir zu roh

[Huch, war ich das?]

AAAH! WEIßT DU EIGENTLICH, WIE DU MICH ERSCHRECKT HAST MIT DEINEM ZUSAMMENHANGLOSEN EINWURF?!?! WEIßT DU DAS?

[AAAH!]

Hier könnte
hi-hier kö-könnte
hi-hi-hi-hier
uff
u-uff


[O-Oje ...]

Ach du
ach
ach
du
ach du

[du aber auch]


*


mehr Plöhzinn solcher und anderer und ähnlicher Art hier

Freitag, 3. Juli 2015

Sie VI

„So einfach ist es nicht.“ Wer von uns beiden hat das gesagt?

Er ist unruhig wie ein Tier in Bedrängnis.

„Du weißt, dass ich höchstens einen Schritt über die Schwelle hinauskomme. Dann packt mich die Angst.“ Zwei Sätze hintereinanderweg, schon gerate ich mit dem Luftholen in Verzug. Und weiß auch gar nicht mehr, was nun an der Reihe ist: Ein- oder Ausatmen?

„Ja, ich weiß“, sagt er.

An seiner Erleichterung habe ich eine Weile zu knabbern. Tage. Oder sind es Nächte? Stunden?

„Kann ich dich denn alleine lassen?“, fragt er eines Morgens. Er hat Schuhe und Jacke schon an, trägt einen Proviantbeutel in der einen, den klimpernden Schlüsselbund in der anderen Hand.

Wenn ich jetzt Nein sagte ...

Wenn ich die Tränen nicht zurückhielte ...

Wenn ich ...

Stattdessen täusche ich das Gegenteil einer Ohnmacht vor.

„Also gut, dann ...“ Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn. Sieht mir in die Augen, aus seinen lese ich den Fluss, den Ufersaum, die Ferne ...

An seinen Lippen klebt ein winziges Stückchen meiner Haut. Ich streiche mir über die geküsste Stirn, tupfe mit dem abgewischten Blutstropfen seine Nasenspitze rot.

Wir wären zwei traurige Clowns.

So fremd. So fremd.

„Adieu!“, rufe ich ihm Stunden später hinterher. Die geschlossene Tür schickt ein winziges Echo zu mir zurück. Ich spieße es mit meinem Bleistift auf und hefte es auf einen Bogen Papier.

„So sehen Anfänge aus“, denke ich.





Mittwoch, 1. Juli 2015

Sie V

Noch ein paar Tage, dann bin ich soweit mit dem Boot. Ich spiele mit dem Gedanken, allein hinauszufahren.

„Wie weit bist du mit dem Boot?“, fragt sie eines Abends unvermittelt.

„Fast fertig“, sage ich und hoffe, dass sie es nicht sehen will. Meine Reparaturarbeiten sind abgeschlossen. Ich habe bereits die Zeltausrüstung und Kleidung für ein paar Tage verstaut.

„Weißt du noch, unsere Bootswandertouren? Wie lang ist das her?“ Ihrem Gesichtsausdruck entnehme ich, dass sie keine Antwort von mir erwartet, sondern der Spur ihrer Erinnerung folgt.

Ihre Schweigsamkeit ...

Im Schuppen das Boot ...

„Ich werde ein Notizheft mitnehmen“, sagt sie. Es klingt wie ein Versprechen und eine Drohung zugleich.

„Was hindert uns?“, frage ich versuchshalber, Gott und die Welt vor Augen.

„Die Steine im Vorgarten“, antwortet sie ohne Zögern.

„Lass uns die Hintertür nehmen”, schlage ich vor. Mein Herz schlägt laut.

Übermut und Zweifel.
Nach vier Sätzen ohne nennenswerte Pausen dazwischen halte ich das Unmögliche für möglich. 

Wir wären Kinder und begännen von vorn.

Sie schweigt zwei Tage lang.

„So einfach ist es nicht.“ Wer von uns beiden hat das gesagt?

Montag, 29. Juni 2015

Wochenrückblick 22. - 28. Juni 2015

Gelesen:




Geschaut:




Gehört:

Butcher‘s Crossing“ von John Williams, gelesen von Johann von Bülow.


Hörprobe
Hab‘s erst gelesen und später gehört. Es hat sich gelohnt.

John Williams‘ Sprache – wie er es schafft, eine raue, oft brutale Wirklichkeit ungeheuer poetisch zu beschreiben. Nicht metaphorisch, sondern elementar und realistisch – absolut beeindruckend. Man muss kein Westernfan sein, um diesen Western der besonderen Art zu mögen.



Gefiel mir übrigens noch besser als „Stoner“, den ich auch schon klasse fand.




*


Gesessen:

auf einer Bank, am Fluss, in der Sonne, auf dem Balkon, im Gras, am Küchentisch, im Biergarten, unter Bäumen, unter Sonnenschirmen, unter Markisen, am Schreibtisch, im Eiscafé, zwischen den Stühlen (was sich genauso abgedroschen anfühlt wie es klingt), am Hang mit Blick übers Tal ... 


Gelegen:

im Bett, auf dem Sofa, im Gras, am Ufer, in den Wolken, zwischen den Laken, am Herzen (hoffentlich), unter Papieren begraben, in Armen, im Argen, im Liegestuhl, abseits, daneben, zwischen Buchseiten, in Gedanken ...


Gestanden:

unter Strom, auf beiden Beinen, im Gras, am Ufer, im seichten Wasser, in der Schlange, hinter dem Tresen, in der Menge, auf dem Berg, an der Sektbar, am Büfett, an der Ampel, auf der Leitung, auf der Schwelle ...


Gelaufen:

ungezählte Kilometer, drinnen und draußen, im Wald, durch Felder und Wiesen, am Ufer entlang, durchs Gras, auf Asphalt, zwischen Häuserreihen, zwischen Bücherregalen, in Gedanken, im Traum, durch Geschichten, auf und ab, hin und zurück, auch mal ohne Ziel ...




*


Geschrieben:

über Sie und die (oder den?) Andere(n), die (den) sie braucht, anscheinend, um sich zu artikulieren, durch die (den) sie spricht zu ... über ... 
Wer ist Adressat, was ist der Gegenstand ihres Schreibens? 
Wieso braucht sie einen Stellvertreter? 
Wer ist sie – und wenn ja wie viele? 
(Nein, dies ist keine Reminiszenz an Richard David Precht, dessen Schriften ich nicht mag, weshalb ich den von ihm gebrauchten Satz bzw. Buchtitel auch nicht zitiere, sondern als freies Gedankengut und für mich originär einfach ebenfalls benutze.) 



Gespürt:

Da wird, da muss noch mehr kommen, von ihr und der (dem) Anderen.



*



(Nachtrag um 11:20 Uhr: Ute Weber schreibt mir auf Twitter zum Precht-Zitat: 
Ich kenne den Spruch aus dem Film "RobbiKallePaul" (1989) von Dani Levy. Da muss man wirklich nicht Precht zitieren.“ (Link)
Womit mal wieder bewiesen wäre: Die Gedanken sind frei und fliegen mal hierhin, mal dorthin, lassen sich mal auf der einen, mal auf der anderen Schulter nieder, nisten sich mal in des einen, mal in der anderen Kopf ein. Nomaden sind sie. Man kann sie nicht besitzen. Thx, Ute!)