Dienstag, 24. März 2015

AMNESTY INTERNATIONAL: URGENT ACTION: BLOGGER WILLKÜRLICH IN HAFT

(Text: ai)

Am 24. Februar ist der omanische Schriftsteller und Blogger Muawiya al-Ruwahi vom Staatssicherheitsapparat der Vereinigten Arabischen Emirate bei der Einreise ins Land festgenommen worden. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt, und es besteht die Gefahr, dass er gefoltert oder anderweitig misshandelt wird.

Karte Vereinigte Arabische Emirate: © Courtesy of the University of Texas Libraries
Muawiya al-Ruwahi (auch al-Rawahi) ist ein bekannter omanischer Schriftsteller und Blogger. Bei seiner Einreise aus Oman in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wurde er am 24. Februar festgenommen. Nach Angaben des omanischen Menschenrechtlers Mohammad al-Fazari hat Muawiya al-Ruwahi ihn angerufen, um ihm mitzuteilen, dass ihm die Einreise in die VAE verwehrt wurde und der Grenzschutz seine Ausweisdokumente konfisziert habe. Seitdem hat er nichts mehr von Muawiya al-Ruwahi gehört. Der Blogger ist offenbar dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen.
Muawiya al-Ruwahi leidet seit langem unter psychischen Problemen und wurde diesbezüglich behandelt. In dieser Verfassung ist er besonders gefährdet angesichts der Behandlung, die Betroffene des Verschwindenlassens in den VAE regelmäßig zu erwarten haben, nämlich Einzelhaft, Folter und andere Misshandlungen.

Hier kann man mit einem Klick eine vorformulierte e-mail verschicken und weitere Informationen finden.

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Ich weise hier regelmäßig auf Eilaktionen von Amnesty International hin. Diese sind 
„ein effektiver Weg, um akut bedrohten Menschen das Leben zu retten. Sie sind die denkbar schnellste Form der Intervention: Wenn Amnesty von willkürlichen Festnahmen, Morddrohungen, Verschwindenlassen, Folterungen oder bevorstehenden Hinrichtungen erfährt, startet die Organisation eine Urgent Action.
Binnen weniger Stunden tritt ein Netzwerk von fast 80.000 Menschen in 85 Ländern (in Deutschland 10.000) in Aktion: Diese Aktivisten und Aktivistinnen appellieren per Fax, E-Mail oder Luftpostbrief an die Behörden der Staaten, in denen Menschenrechte verletzt werden. Bei den Adressaten gehen Tausende von Appellschreiben aus aller Welt ein. Es ist dieser rasche und massive Protest, der immer wieder Menschenleben schützt.
Unzählige Personen - von China bis Chile, von Syrien bis Simbabwe - konnten seit der ersten Urgent Action im Jahr 1973 gerettet werden. Allein im Jahr 2007 hat Amnesty International 350 neue Eilaktionen gestartet - etwa 35 Prozent davon zogen positive Meldungen nach sich: Freilassungen, Hafterleichterungen, die Aufhebung von Todesurteilen oder auch Anklagen gegen die Verantwortlichen von Menschenrechtsverletzungen." (ai)
Mehr Informationen hier.

Sonntag, 22. März 2015

Wochenrückblick 16. - 22. März 2015

Gelesen:

1. Edan Lepucki: California
fesselnde Zukunftsvision einer nach mehreren Naturkatastrophen zerbrochenen Zivilgesellschaft

2. Jan Wagner: RegentonnenvariationenDie Eulenhasser in den Hallenhäusern
Lyriker und diesjähriger Preisträger der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik; noch besser als das Buch, für das er ausgezeichnet wurde – "Regentonnenvariationen" –, gefällt mir der 2012 erschiene Band "Die Eulenhasser in den Hallenhäusern", darin versammelt er die Gedichte dreier von ihm erfundener Poeten samt Biografien voll spannender Details, Bibliografie und Referenzen, ein wunderbares Spiel und ein großes Lesevergnügen


Gefunden:

Ein neues ʃpi:ltsɔyk
Hier und da habe ich’s schon ein wenig ausprobiert.


Gedacht:

Wenn ich die Wahl hätte zwischen Günther Jauch und Jan Böhmermann, würde ich mich für die Amsel vor meinem Küchenfenster entscheiden. Definitiv.


Gefragt:

habe ich mich so manches in der vergangenen Woche, so wie ich es eigentlich ständig tue, immerzu frage ich, häufig mich selbst, ich liebe das, wünsche mir, das Fragen möge niemals enden ...
Dann veröffentlichte Phyllis gestern in ihrem Blog einen Beitrag mit Fragen an einen potentiellen Geliebten. Und was für Fragen das sind! Großartig, inspirierend, der Text bewegt mich seitdem, nicht zu Antworten, sondern zum Aufspüren eigener Fragen. Wieder. Again and again. Yes!
Und dann reagiert Melusine heute auf Phyllis’ Fragen mit ganz eigenen Ant.Worten und einer abschließenden Frage. Noch mehr Inspiration! Ein Geschenk.
Diese beiden tollen Frauen. Ich schicke euch eine Umarmung quer durchs Netz. Ihr seid ganz ohne Frage wundervoll.
Danke für den doppelten Kick. :-)


Geplant:

eine neue Kategorie in meinem Blog zu etablieren, nämlich die des wöchentlichen Rückblicks. Klein, fein, stichpunktartig. Darauf gebracht hat mich Anousch mit ihren Monatsrückblicken. Irgendwie gefällt mir sowas. Für meine Leser_innen und auch für mich selbst, ein Fazit, ein Abriss, ein Fragment, eine Essenz. Oder so. Und heute ist Premiere.



kein Zurück

vom Erleben zum Text

und wieder zurück


Ob ich das gelassen hätte mit dem Lesen- und Schreibenlernen, wenn ich gewusst hätte, welche Konsequenzen es hat?

Freitag, 20. März 2015

(Spiel)Raum

Es muss einen Raum geben innerhalb des Widerspruchs, dass Worte einerseits nie genügen und ihrer andererseits stets zu viele sind. Einen Raum, der eng und weit genug, umschließend und zugleich freigebend ist. Einen Raum für Genauigkeit und Entfaltung. Es muss diesen Raum innerhalb der Sprache geben. Es gibt ihn, schätze ich und nenne ihn  – – –  nein, ich (be)nenne ihn nicht. Poesie wollte ich zuerst schreiben, dann fiel mir der Wandel ein, den die Bedeutung des Begriffs im Lauf der Zeit durchgemacht hat. Zu ungenau und missverständlich also. Dichtung dachte ich als nächstes, aber ähnlich problematisch auch das. Tja, welches Wort, welcher Begriff könnte passen? Ich suche hier ja gar nichts objektiv Richtiges, allgemein Gültiges. Oder vielleicht doch? Ich weiß es nicht sicher. Mir würde schon ein Begriff genügen, der genau ausdrückt, was ich meine und sagen will. Wie also kann ich diesen Raum bezeichnen? Einen Raum, dessen Existenz ich ja nur vermute oder spüre, so sage ich jedenfalls, weil ich nicht wage, zu behaupten, dass ich um diesen Raum weiß. Denn dann müsste ich vielleicht einen Beweis antreten, und wie soll ich das bewerkstelligen, wenn mir noch nicht einmal das passende Wort für diesen Raum einfällt. Aber, so denke ich gerade, vielleicht muss es ja so sein, dass es keine Bezeichnung für diesen Raum gibt. Denn eine konkrete Bezeichnung würde ihn ja definieren, würde ihn damit ein- und begrenzen. Möglicherweise entzieht er sich dem, will/muss unbenannt  und somit frei und wandelbar bleiben, anpassungs- und entwicklungsfähig, je nach Bedarf. Vielleicht ist dieser Raum innerhalb des Zuviels und Zuwenigs an Worten genau dieses Spielfeld, auf dem alles möglich und erlaubt ist, in dem aber aus eben diesen Gründen nichts zwingend erfolgen muss, sondern sein und bleiben und vergehen kann, wie es will, in vollem spielerischen Ernst. Vielleicht will dieser Raum nicht benannt, sondern einfach genutzt werden. Zum Spiel. Und vielleicht ist dieses Spiel, dieses Spielen eine ähnlich komplexe Herausforderung wie Lieben und Sterben es sind. Ja, denke ich, genau darum handelt es sich, genau das ist es, ist er: ein Spielraum. Ohne jetzt gleich viel klüger zu sein, nachdem ich dieses Wort, oder besser die Möglichkeit eines frei definierenden Wortes gefunden habe, so klug war ich vielleicht als Kind, da wusste ich noch, wie das geht: Spielen, ohne zu wissen, dass ich spiele und ohne zu wissen, dass ich (es) weiß. Heute weiß ich (es) nicht mehr, oder weiß nur zu gut/zu viel, es gibt da zwar diese Momente, die immens glückvollen, weil unbewussten, die leider immer viel zu kurz sind, sich nicht konservieren lassen und auch in der Erinnerung verblassen. Aber es gibt sie, und es gibt sie zuhauf, wenn ich mich im oben genannten unbenannten Raum bewege. Spielerisch wild wie ein junges flüchtiges Tier. (Huch, sogar Metaphern und Vergleiche sind dort erlaubt. Ich bin fasziniert.)

Und gegen den Takt meines Wortflusses schlägt irgendwo ein Vogelherz mit einem schöneren wärmeren Geräusch als ich es je werde produzieren können ...

Donnerstag, 19. März 2015

Échauffé und Fasciné am Frühstückstisch

E. (echauffiert über die neuesten "Nachrichten" in den diversen Medien):

"Ich finde das so unfassbar ..., so dermaßen ..., das muss man sich mal vorstellen, das kann man doch nicht einfach so stehen lassen, so unkommentiert, so ohne persönliche Handlungskonsequenz, da müsste man eigentlich ..., da sollte man doch wirklich ... und zwar möglichst schon gestern, und dann ist da auch noch ..., hast du das gelesen/gesehen/gehört?, ist es nicht ..., mir fehlen die Worte, dabei sollten sie mir nicht fehlen, sondern zuspringen, dass ich sie festhalten kann Schwarz auf Weiß, um aufs schärfste zu reagieren, zu plädieren, zu demonstrieren, man kann doch nicht einfach immer alles so unberührt, so unangefasst, so als ginge es uns nichts an, so nach-mir-die-Sintflut-gemäß ...., einfach alles den anderen überlassen, der Zeit womöglich, auf die aber auch nicht immer Verlass ist, oft genug beruhigt es sich nämlich nicht von selbst, sondern eskaliert, und spätestens da wünscht man sich, man hätte früher/rechtzeitig, als es noch möglich war, also noch nicht fünf nach zwölf ..., man hätte da ..., also weißt du, jetzt lass mich doch nicht so allein in meiner Empörung, jetzt sag du doch auch mal was, das kann doch nicht so spurlos an dir vorübergehen, du musst doch auch eine Meinung dazu haben, das geht doch schließlich jeden was an, also bitte, ich frage dich, ich fordere dich auf, dich zu beteiligen, dich zu äußern, und zwar schleunigst, und offen und ehrlich und vor allem in aller Deutlichkeit zu sagen, was du über diese ganzen Sachen denkst. Also?"


F. (fasziniert von der Amsel, die in den Sträuchern vorm Fenster ein Nest baut):

"Hmhm ..."

Mittwoch, 18. März 2015

Ich seh den Sternenhimmel


"vaist ˈdu: viˈfi:l ʃtɛrnlain ˈʃte:ən an ˈde:m ˈvaitn̩ ˈhɪml̩stɛlt?"
"ˈgants fi:lə!"

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Ich seh den Sternenhimmel oho



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Denkt dran: Der Frühling beginnt in diesem Jahr mit einer Sonnenfinsternis.


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Und sonst so? 
Spielen. Ich habe die Lust daran nie verloren. Habe mir nur immer weniger Zeit dafür genommen. Alles so ernst und wichtig. Ist gar nicht ironisch gemeint, denn es stimmt ja. Trotzdem oder gerade deshalb: Spielen. Egal ob Brettspiele, Kartenspiele, Rollenspiele, Wort- und Sprachspiele, Spiele wie Frisbee, Kicker, Billard, Gedankenspiele ... Ich liebe das. Entdecke es gerade wieder. Mal bisschen rumprobieren ...

Natürlich will ich euch in dem Zusammenhang mein neuestes ʃpi:ltsɔyk nicht vorenthalten. :-)


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"Völlig losgehelöst von der Erde ..."